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Januar 2011

 

 

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SENIORENGENOSSENSCHAFTEN

 

 

Seniorengenossenschaften

in Deutschland

 

Tauschringe sind seit einigen Jahren in der Öffentlichkeit präsent. Seniorengenossenschaften werden dagegen meist nur lokal beachtet. Dabei sind in Deutschland die Seniorengenossenschaften in den 90er Jahren die Vorläufer der Tauschringe.


...eine Sonderform der Tauschringe
...eine Sonderform der Tauschringe
 

Seniorengenossenschaften sind im Prinzip nur eine Sonderform der Tauschringe. In ihrer Funktionsweise sind sie wie Tauschringe aufgebaut. Sie unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihrer Zielsetzung: Tauschringe beabsichtigen einen möglichst regen Umlauf der Verrechnungseinheiten, d.h. kein Horten von Guthaben. Damit soll eine Blockierung durch den Spareffekt zwischen Leistungsgebern und Leistungsnehmern verhindert werden. Gerade dieses Prinzip wurde bei Seniorengenossenschaften umgedreht.

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 Zeit-Rente statt Geld-Rente
 

Der Grundgedanke der Seniorengenossenschaften ist: Sich in aktiven Zeiten als LeistungsgeberIn einzubringen und diese Zeitpunkte für den Bedarfsfall anzusparen, wenn bei Krankheit oder im Alter Hilfe benötigt wird. Die Zeitpunkte der Seniorengenossenschaften stellen vom Ansatz her, ähnlich wie die Geld-Rente, eine Zeit-Rente dar. Zwei gravierende Unterschiede hat diese Zeit-Rente im Gegensatz zur Geld-Rente: Die Zeit-Rente wird nur dann in Anspruch genommen, wenn ein aktueller Bedarf besteht (die Geld-Rente erhält auch, wer sie nicht nötig hat). Darüber hinaus ist die Zeit-Rente weder von einem Währungsverfall noch einem Preisverfalls oder ähnlicher Minderungen durch instabile Wirtschaftssysteme bedroht. Denn eine Stunde hat heute den Wert einer Stunde und in fünfzig Jahren ist sie immer noch eine Stunde wert. Diese Wertbeständigkeit wird von den Mitgliedern oft als Vorteil hervorgehoben.

 

Kannte ‚Cleverle Späth' MORE?
 

Ende der 80er Jahre hat der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Lothar Späth, die Idee der Seniorengenossenschaften aus den USA nach Deutschland 'importiert'.Vielleicht war er ja in St.Louis und ließ sich von MORE inspirieren. 1991 wurde dann ein Förderprogramm für 10 Pilotprojekte in Baden-Württemberg gestartet. Über einen Zeitraum von drei Jahren erhielten die ersten Seniorengenossenschaften im Ländle finanzielle und wissenschaftliche Begleitung. Aber auch die jeweiligen Kommunen trugen durch tatkräftige Unterstützung zum Erfolg der Seniorengenossenschaften bei.

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Belohnung für aktive Hilfe


Seit ungefähr drei Jahren breitete sich diese Idee auch in anderen Bundesländern aus. Inzwischen dürften schätzungsweise 50 Initiativen dieser Art und Funktionsweise entstanden sein. Wie bei allen Tauschsystemen üblich, werden Angebote und Nachfragen entweder in einer Mitgliederzeitung zusammengebracht, oder aber über eine Zentrale. Günter Hoffmann schreibt in seinem kürzlich im Piper-Verlag erschienenen Buch Tausche Marmelade gegen Steuerklärung am Beispiel der Dietzenbacher Seniorenhilfe das für diese Initiativen gültige Prinzip (Natürlich gibt es immer Ausnahmen):
 Nur wer auf seinem Punkte-Konto im Haben-Bereich ist, darf in Dietzenbach Leistungen von anderen Mitgliedern beanspruchen. Dafür gibt es keine Guthabenbeschränkung. Im Gegenteil - aktive Mitglieder mit einem Guthaben von fünfhundert Punkten werden von der Seniorenhilfe mit einem Anstecker in Silber und bei tausend Punkten in Gold ausgezeichnet.


Übertragung von Guthaben


Können Zeitguthaben (Punkte) übertragen, verschenkt oder vererbt werden? Laut Günther Hoffmann haben die Dietzenbacher das so gelöst: Die Punkte von aktiven Mitgliedern sind an Ehegatten, Kinder und Eltern vererbbar, vorausgesetzt, auch sie sind Mitglied der Seniorenhilfe. Ähnliches gilt, wenn ein Mitglied Hilfe benötigt: Sein Partner oder Gatte kann ihm Punkte übertragen. Aber auch für passive Mitglieder, die keinen aktiven Partner haben, gibt es eine Lösung. Jene, die wegen ihres Alters oder wegen einer Krankheit Hilfe in Anspruch nehmen wollen, sich aber keine entsprechenden Punkte haben erarbeiten können, zahlen eine Verwaltungsgebühr von fünf D-Mark für die erste Stunde und drei D-Mark für jede weitere. Für drei Stunden Hilfe wären das also elf D-Mark. Mit diesen Geldbeträgen werden ein Teil der Kosten der Zentrale (Telefon, Druck, Fahrdienste, Versicherungen) abgedeckt, gleichzeitig bekommt das aktive Mitglied neben seinen Punkten drei D-Mark als Fahrtkostenersatz.

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Zwischen Dienstleistung und Ehrenamt


Die Seniorengenossenschaften stellen eine Zwischenstufe zwischen ehrenamtlicher Tätigkeit und dem Leistungsaustausch auf Verrechnungsbasis der Tauschringen dar. Dabei darf nicht übersehen werden, dass auch in Tauschringen kostenlose Hilfe erbracht wird.
Die Dietzenbacher Seniorenhilfe hat sich zu einem Vorzeigemodell entwickelt. Die Dietzenbacher haben ihre erfolgreiche Arbeit unter das Motto gestellt: Nicht an einer großen Bevölkerungsgruppe vorbeizuarbeiten, sondern neue Formen von Angeboten zu entwickeln, die einen breiten Freiraum für eigene Gestaltung und Kreativität bieten.

 

 

Wo Zeit statt Qualität zählt


Im Gegensatz zu den Tauschringen ist in den Seniorengenossenschaften das Thema, Bewertung von Hilfeleistungen nur selten ein wichtiger Diskussionspunkt. Hier geht es vielmehr darum, die eingesetzte Zeit, ohne Rücksicht auf die Bewertung der ehemaligen Leistung, später auch wieder in der gleichen Anzahl von Zeitäquivalenten zurück zubekommen. Die Mitglieder der Seniorengenossenschaften halten diese Form der Gegenseitigkeit für viel wichtiger als den Austausch von Leistungen gleicher Qualität. Da sich die Wertschätzung von Leistungen (Hilfen und Betreuung) in Zeiten von Krankheit und Alter ändert, ist diese Frage von untergeordneter Bedeutung.

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Nachhaltige Zukunftsvorsorge
Nachhaltige Zukunftsvorsorge
 

Die Bedeutung von Seniorengenossenschaften wird in Zukunft wachsen. Gerade in einer Zeit, wo der Anteil älterer Menschen im Verhältnis zu jüngeren wächst ist, es wichtig neue Formen der Gestaltung der Altersvorsorge zu treffen. Bekanntlich kann die bestehende Altersvorsorge so nicht mehr aufrecht erhalten werden. Deutlich wird dies am Abbau kommunaler Leistungen. Eine sinnvolle Kommunalentwicklung sollte unter dem Gesichtspunkt der Zukunftsvorsorge sowohl Tauschringe wie auch Seniorengenossenschaften als wichtige Partnerorganisationen in Sicherungssysteme einbeziehen. Die Einbindung beider Initiativgruppen in alle rechtlichen Belange der Kommune würde den Menschen in ihrer Wohnumfeld- und Lebensgestaltung ein großes Maß an Sicherheit und Zufriedenheit für die Zukunft geben können.
Dadurch wäre die Stärkung der lokalen Ökonomie in einem ungekannten Ausmaß möglich. Für die Zukunft können wir nur hoffen, dass der zur Zeit herrschende Trend bei den Tauschringen und Seniorengenossenschaften von Neugründungen und zur Weiterentwicklung anhält. Wöchentlich werden im Schnitt zwei Tauschsystem in Deutschland gegründet. Dies allein zeigt schon das starke Interesse der Menschen an neuen Formen der Selbsthilfe.

Klaus Kleffmann (2001)

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